Die Gemeinden der Propsteipfarrei zeigen Flagge

Ein Statement von Propst Hubertus Böttcher:

Bene-dicere – Die Angst vor dem guten Wort

In diesen Tagen stiftet ein Papier der Glaubenskongregation Unruhe, vielleicht sogar gezielte Unruhe. Es geht ums segnen, lateinisch „benedicere“ (wörtlich übersetzt: gut sagen).

Ängstlich wurde in Rom angefragt: „Kann man Homosexuelle segnen?“ Die Antwort war prompt: „Nein.“ Die Glaubenshüter und Experten des Glaubens bestätigten alle Vorurteile und Befürchtungen, indem sie beschrieben, was Glaube nicht ist.

Es ist bedauerlich, wenn Experten des Glaubens mehr sagen können, was nicht oder was nicht richtig ist, als dass sie sagen was positiv ist. Die Abgrenzung des Glaubens ist nicht die Mitte.

Das Geländer ist nicht die Treppe. Glaube ist nicht Enge sondern Weite.

Das Evangelium ist „Froh Botschaft“ und nicht „Droh Botschaft.“

„Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“ (Genesis 12,2) war das wohltuende Motto des ersten ökumenischen Kirchentages 2003 in Berlin. Nach dem Fall der Mauer gab es ein großes Aufatmen, die Weite des Lebens und des Glaubens zu spüren. Texte der Freude, Texte der Weite waren zu hören. Darunter dieses altirische Segensgebet:

Segen sei mit dir, der Segen strahlenden Lichtes,

Licht um dich her und innen in deinem Herzen,

Sonnenschein leuchte dir und erwärme dein Herz,

bis es zu blühen beginnt wie ein großes Torffeuer,

und der Fremde tritt näher, um sich daran zu wärmen.

Aus deinen Augen strahle gesegnetes Licht,

wie zwei Kerzen in den Fenstern eines Hauses,

die den Wanderer locken, Schutz zu suchen dort drinnen

vor der stürmischen Nacht.

Wen du auch triffst, wenn du über die Straße gehst,

ein freundlicher Blick von dir möge ihn treffen.

Altirischer Segenswunsch

Gott, der aushält und Raum schafft in seiner Schöpfung und in seiner Kreuzeserlösung; „auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“(Mt 5,45)

Segen ist die Zuwendung der Liebe Gottes und nicht der Lohn einer Moral. „Herr, wer könnte sonst vor dir bestehen.“(vgl Röm 3) „Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist unserem Herrn“. Röm 8,39)

Ich spüre hier eine Angst vor der Weite und Tiefe des Glaubens. An der kurzen Leine eines engen Weltbildes sollen Menschen geführt werden. Die Widerspenstigkeit des westlichen Denkraumes  wird dann als Unglauben abgetrennt oder in eigenen Reservaten abgespalten.

Mag man auch den Segen der kirchlichen Trauung in Verbindung bringen. Die Sakramentalität des Segens drückt sich in dem Ehesakrament aus, das sich die Eheleute gegenseitig spenden. Segen ist nicht der Lohn, sondern das unverfügbare Gnadengeschenk Gottes.

Wer ist dieser Gott, den Jesus uns verkündet?

Unser Vater – vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Jesus ist nicht gekommen, um zu richten. Er ist der Blick des liebenden Vaters, der gute Hirte, der uns Weg und Wahrheit ist.

Sedulius Caelius († um 450), ein lateinisch-christlicher Dichter  und Priester des 5. Jahrhunderts, drückt es in einem Segenswunsch so aus:

Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen.

Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen

und dich zu schützen.

Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren

vor der Heimtücke böser Menschen.

Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen,

wenn du fällst.

Der Herr sei in dir, um dich zu trösten,

wenn du traurig bist.

Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen,

wenn andere über dich herfallen.

Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.

So segne dich der gütige Gott.

Propst Hubertus Böttcher