Der Regenbogen – himmlisches Naturschauspiel, Bundeszeichen und Hoffnungssymbol

Der Regenbogen ist ein Naturschauspiel

Wenn die Sonne auf eine abziehende Regenfront scheint und der Betrachtende die Sonne im Rücken hat, dann sieht er eine Brechung und Reflexion der Sonnenstrahlen in den Regentropfen vor der dunklen Regenwand als Lichtbogen in den typischen Farben, die verlaufend von außen Rot über Orange, Gelb, Grün, Blau und Indigo bis Violett im Inneren reichen.

Dieser Regenbogen bildet sich auch im Auge des Betrachtenden an Wasserfällen, Springbrunnen oder Wasserfontänen. Je nach Sonnenstand ist der Bogen stärker gewölbt und ausgeprägt – vor allem am Morgen und am Abend.

Dieses Naturschauspiel hat über die Jahrtausende hinweg seinen Niederschlag in den Mythen verschiedener Religionen gefunden. Die griechische Göttin Iris hatte den Regenbogen als Zeiches des Gewandsaumes, die Inkas erkannten im Regenbogen selbst eine Gottheit, in der sich die Gottheit Sonne spiegelte. Im alten Orient war der Regenbogen das Siegeszeichen nach einem Götterstreit.

Auch für die drei abrahamitischen Religionen (Juden, Christen, Moslems) hat der Regenbogen eine große Bedeutung:

Der Regenbogen ist ein Bundeszeichen

Nach der Sintflut verläßt Noach mit allem Lebendigem die Arche und besiedelt neu die Erde. Gott segnet Noach und die Seinen und schließt einen Bund mit Noach, seinen Nachkommen und allen Lebewesen:

Das ist der Bund, den ich für alle Zeiten mit euch und mit allen lebenden Wesen bei euch schließe. Als Zeichen dafür setze ich meinen Bogen in die Wolken. Er ist der sichtbare Garant für die Zusage, die ich der Erde mache. Jedes Mal, wenn ich Regenwolken über der Erde zusammenziehe, soll der Bogen in den Wolken erscheinen, und dann will ich an das Versprechen denken, das ich euch und allen lebenden Wesen gegeben habe: Nie wieder soll das Wasser zu einer Flut werden, die alles Leben vernichtet. Der Bogen wird in den Wolken stehen, und wenn ich ihn sehe, wird er mich an den ewigen Bund erinnern, den ich mit allen lebenden Wesen auf der Erde geschlossen habe. Dieser Bogen, sagte Gott zu Noach, ist das Zeichen für den Bund, den ich jetzt mit allen lebenden Wesen auf der Erde schließe. Genesis 9,13-17

Damit ist für Juden, Christen und Moslems der Regenbogen das Zeichen, das Gott seine Schöpfung ein für alle mal gutheißt und sie immer wieder zum Leben führen will. In der Folge des vorangestellten Abschnittes aus dem Buch Genesis verheißt Gott im gleichen alttestamentlichen Text seine Wertschätzung auch jedem einzelnen Menschen gegenüber und erklärt ihn für kostbar.

„Als die Fülle der Zeit gekommen war“ Gal 4,4, sandte Gott seinen Sohn, um diesen Bund ein für allemal einzulösen und dem Tod als Sold der Sünde durch das Sterben und die Auferstehung Jesu seine vernichtende Kraft zu nehmen. Damit ist der Regenbogen für uns Christen das Bundeszeichen schlechthin geworden, welches das Kreuz als Besiegelung des Bundes Gottes mit seiner Schöpfung deutet.

Gott ist der allmächtige Schöpfer, der jeden Menschen nach seinem Willen geschaffen hat und Christus hat uns diesen einzigen Gott als den Vater aller Menschen geoffenbart, der will, daß jedes einzelne seiner Kinder ein Segen ist (vgl. Gen 12,2) und zum Segen für andere wird.

Wer Gott, den Nächsten und sich selbst liebt, folgt Christus nach und hat das ewige Leben (vgl. Lk 10,27f). Die Liebe ist das Markenzeichen des Menschen, der sich darin als Gottes Abbild erweist und lebt damit den Bund, den Gott mit allen Geschöpfen geschlossen hat. Damit ist der Regenbogen ein Zeichen des liebenden Menschen im Angesicht Gottes, der seine Kinder zum ewigen Leben berufen hat.

Wenn Christus, die Sonne, auf die Sintflut des Todes scheint, erkennt der Glaubende, der aus der Blickrichtung Christi auf den Tod schaut, die Gültigkeit des Bundes, den Gott mit Noach und allem Lebendigen geschlossen hat. Damit ist das Bundeszeichen des Regenbogen zum Osterzeichen geworden!

Dieses Zeichen leuchtet immer wieder besonders im Bewußtsein vieler Menschen auf, wenn Katastrophen, Pandemien und Verfolgungen Menschen knechten:

Der Regenbogen ist ein Hoffnungssymbol

1939 sang Judy Garland „Over the rainbow“ und sang damit unzähligen Soldaten des zweiten Weltkrieges eine Sehnsuchtsmelodie nach der Heimat ins Ohr. Nicht zuletzt hat der hawaiianische Künstler Israel Kamakasiko’ole mit seiner Ukulele einen weltweiten Song daraus gemacht.

Als in den 1970er Jahren das Bewußtsein für vielschichtigere sexuelle Identitäten des Menschen in den westlichen Ländern wuchs, wurde die Regenbogenfahne erneut ein Friedenssymbol, welches nicht nur den Frieden unter den Geschlechtern bedeutet, sondern zugleich auch deren bunte diverse Vielfalt. Diese Vielfalt ist inzwischen in vielen nationalen Gesetzen verankert, anderswo aber noch verfolgt.

2002 hatte der italienische Ordensmann Alex Zanotelli angesichts des drohenden Irakkrieges die Idee, Pace-Fahnen mit dem Regenbogen zu unterlegen. Schnell wurde diese Pace-Fahne mit dem Regenbogen zum weltweiten Friedenszeichen: „Pace da tutti i balconi!“ – „Friede von allen Balkonen!“

2020 wurde der Regenbogen angesichts der Coronapandemie erneut zum Hoffnungszeichen, welches im Frühjahr des vergangenen Jahres an viele Fenster gemalt wurde.

Vor wenigen Jahren lautete ein Mottolied der Kommunionkinder: „Gott schickt uns einen Regenbogen über unsere Welt“. Darin heißt es kindlich: „So wie der Regenbogen viele Farben hat, so sind wir Menschen verschieden in Land und Stadt…“

Der Regenbogen verheißt den Segen Gottes über alle Menschen, vor allem über die Menschen, die Wege der Treue und Liebe suchen, und damit besonders Gottes Bild und Gleichnis sind, unabhängig von Geschlecht, sexueller Prägung oder persönlicher Lebenssituation.

Gottes Segen für alle Menschen, die guten Willens sind,  ist unser Bekenntnis als katholische Christen in Arnsberg und feiern so das Fest der Auferstehung Jesu Christi 2021!

                                                                                                          Autor: P. Werner Vullhorst OSB