Im christlichen Blick - Pastoraler Raum Arnsberg

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An dieser Stelle finden Sie jede Woche ab Freitags einen Beitrag (ca. 3 Minuten) zu einem aktuellen Thema unter dem Titel

            
                                                                   43 / 20. Oktober 2017

In der ARD-Sendung „Hart aber fair“ wird über die Altenpflege diskutiert. Auffällig ehrlich erzählt und mahnt der 21-jährige Auszubildende Alexander Jorde die Politiker/-innen: „Schaut nicht länger weg! Ihr müsst euch kümmern!“
 
Die nicht vergessen, die sich vergessen
 
1.
Plötzlich platzt ihm der Kragen. Alexander Jorde ist 21 Jahre alt und Auszubildender in der Kranken- und Altenpflege. Er sitzt mit anderen Gästen im Studio vor laufenden Kameras und spricht über einen Notstand. In der Pflege nämlich. So kann es nicht weitergehen, sagt er. Der Notstand ist wirklich einer. Zu wenige Kräfte für zu viele Bewohner im Heim. In den letzten zwölf Jahren gab es zwar viele Gesetze und Regelungen, aber kaum neues Personal. Eine ältere Kollegin von ihm sagt: Ich bin manchmal am Ende der Schicht noch verantwortlich für fünfzig Menschen im Heim; Medikamente, Notfälle und so. Die Arbeit ist erfüllend. Es liege auch nicht an der Bezahlung; es seien einfach zu wenige Fachkräfte beim Pflegen. Da müsse etwas geschehen. Und nochmal Alex: Die Politik schaut weg; die Alten haben oft kaum noch Angehörige und in der Gesellschaft keine Lobby.
 
 
2.
Das glaube ich ihm und seine Kollegin aufs Wort. Es arbeiten viele sehr gut in einem schwierigen Beruf. Sie sind aber einfach zu oft erschöpft. Dann kommen sie nach ihrer Schicht nach Hause und können nicht mehr. Womöglich schlafen sie schlecht. Und haben noch längere Zeit die vielleicht manchmal schlimmen Bilder vor Augen. Viele bleiben damit alleine. Und werden doch sofort wieder angerufen, wenn eine andere Fachkraft krank wird.
Es darf nicht sein, dass wir uns mehr um Autos kümmern als um Alte und in ihren Sinnen Verwirrte. Es darf in Gottes Namen nicht sein, dass wir die vergessen, die sich selbst vergessen. Was tun?
 
 
3.
Druck machen, hilft; Druck machen auf die, die am Mittwoch dieser Woche mit der Regierungsbildung beginnen wollen: schwarz-gelb-grün, die Farben Jamaikas. Das will der Auszubildende Alexander. Darum spricht er aus, was uns alle bewegen sollte. Die Politik muss sich der Sache annehmen. Die bald Regierenden müssen jetzt auch wollen, was sie längst hätten wollen müssen.
Es werden viele immer älter; es können doch so viele Banken und Länder gerettet werden – also auch Menschen. Nachbarn, Freunde, Eltern und Großeltern. Familien schaffen das oft nicht. Sie sind bald überfordert. Dann macht doch bitte die Heime schön und sorgt für guten Nachwuchs in der Pflege – durch eine angemessene Bezahlung und eine gute Ausbildung ohne zu viele Hürden.
Alexander macht es uns vor. Er ist 21 und pflegt gerne, wie er sagt. Es gibt noch mehr von ihnen, wie er weiß. Es gibt Frauen und Männer, die längst schon wollen, was Gott von uns will: Herz und Wärme zeigen. Niemanden vergessen. Am wenigsten den, der sich selbst vergisst.
 
Michael Becker
mbecker@buhv.de
20.10.2017
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