Im christlichen Blick - Pastoraler Raum Arnsberg

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

PASTORALER RAUM > Die Woche

An dieser Stelle finden Sie jede Woche ab Freitags einen Beitrag (ca. 3 Minuten) zu einem aktuellen Thema unter dem Titel

       
                                                        22/2017 - 27. Mai 2017

 
 
IIn Simbabwe/Ostafrika kommt ein Pfarrer ums Leben, als er Menschen seine „Glaubensstärke“ zeigen und auf dem Wasser eines Flusses gehen will (dpa 18.5.2017). Nachfolge ist eben nicht Nachahmen.
(Siehe auch den Lesetipp am Ende der Ansprache)

 
Nachfolge ist nicht Nachahmen
 
1.
Nachfolge ist nicht Nachahmen. Vor einigen Tagen bezahlt ein Pfarrer in Simbabwe/Ostafrika seinen Versuch, Jesus nachzuahmen, mit seinem Leben. Der Pfarrer fühlt sich glaubensstark, weil er eine ganze Woche gefastet und gebetet hat. Er ruft Menschen an einen Fluss und will zeigen, wie er – in der Nachfolge des Herrn Jesus – über Wasser laufen kann. Sein Glaube sei stark, sagt er in einer kurzen Ansprache, darum werde er, wie der Herr Jesus, mithilfe seines Glaubens große Taten vollbringen.
Als er etliche Meter gegangen ist, kommen die in diesem Gewässer gefürchteten Krokodile und reißen ihn unter Wasser. Dort wird er von den Tieren getötet. Er soll gewusst haben, schreiben die Zeitungen, dass der Fluss bei den Einheimischen „Crocodile River“ (Krokodil-Fluss) genannt wird.

2.
Wir sollten den Pfarrer nicht belächeln, auch wenn uns danach zumute ist. Besser nehmen wir an, dass er es ernst gemeint hat mit der Sache Jesu und seinem Glauben – nach einer Woche Beten und Fasten. Wir nehmen auch an, dass es ihm ernst war mit der Nachfolge Jesu. Er wollte zeigen, dass und wie der Glaube im Leben hilft und wie Jesus die stärkt, die ihm von ganzem Herzen vertrauen. Vielleicht wollte er auch Menschen für die Gemeinde gewinnen; Menschen, die noch einer Religion ihres Stammes angehören.
Gestehen wir dem Pfarrer zu, dass sein Wille groß und sein Glaube rein war. Dann bleibt aber sein Irrtum. Nachfolge ist nicht Nachahmen.
 
3.
Wir müssen Jesus nicht nachahmen. Das hat er nie gesagt oder gewollt. Sein „auf dem Wasser gehen“ (Matthäus 14,22-33) ist nicht das Wunder des Glaubens. Das Wunder ist, wie Petrus und andere Jünger ihre Angst verlieren, als sie auf Jesus schauen, ihn im Sturm erkennen. Die Wunder Jesu sind für den Glauben nicht notwendig. Notwendig sind die Inhalte der Wunder: weniger Angst in der Welt, mehr Vertrauen, immer wieder neuen Mut zur Liebe.
Niemand muss Jesus sein. Das meint das Wort Nachfolge nicht. Es meint: Den Geist Jesu zu erkennen und anzunehmen, wenn möglich zu übernehmen. Wir können Kranke nicht heilen und Tote nicht auferwecken, wohl mit dem größten Glauben nicht. Wir können aber im Namen Jesu Hoffnung sein und geben für die, die ängstlich sind, krank, dem Sterben nahe. Nachfolge geht nicht in den Fußspuren Jesu, sondern auf Wegen, die heute nötig sind. Nachfolge muss Jesus nicht wörtlich nehmen, aber immer beim Wort, wenn er sagt (Johannes 16,33): Seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Nachfolge ist Trösten, Stärken, Ermutigen. Nachfolge heißt: einem Menschen die Angst nehmen oder lindern. Weil Gott mächtiger ist als die Schrecken der Welt. Und der Himmel uns nie fern ist, in dem Jesus jetzt lebt und für uns sorgt.


Michael Becker
mbecker@buhv.de
 
Lesetipp: In der kurzen Erzählung „Lenz“ des deutschen Arztes und Dichters Georg Büchner (1813–1837) verzweifelt ein Schriftsteller mit Namen Lenz daran, dass es seiner „Glaubensstärke“ nicht möglich ist, ein totes Kind wieder zum Leben        zu erwecken (es „griff der Atheismus nach ihm“).
26.05.2017
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü