Im christlichen Blick - Pastoraler Raum Arnsberg

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PASTORALER RAUM > Die Woche

An dieser Stelle finden Sie jede Woche ab Freitags einen Beitrag (ca. 3 Minuten) zu einem aktuellen Thema unter dem Titel

       
                                                        26/2017 - 24. Juni 2017

 
Ein bizarres Schauspiel bot sich Journalisten und Kameraleuten in der vergangenen Woche bei einer Kabinettsitzung des US-Präsidenten D. Trump. Kann es sein, dass manche Menschen keine Einsicht wollen?
Was sein soll und was ist
1.
Das französische Wort „bizarr“ gebraucht man bei Merkwürdigkeiten; wenn Anspruch und Wirklichkeit kaum zusammenpassen. Auch bei etwas, für das man sich fremd schämt, wenn man es sieht.
Etwas Bizarres bot der US-amerikanische Präsident in der vergangenen Woche in einer Sitzung mit Ministern, als noch Kameras im Raum waren. Zunächst lobte er sich selbst als der, der in den ersten Monaten seiner Amtszeit so viel Großes vollbracht habe wie kaum ein anderer Präsident vor ihm. Dann nannten Minister ihre Namen und lobten den Präsidenten, dankten ihm, dass sie zu Ministern ernannt worden waren und sprachen von einer „Ehre“, ihm dienen zu können; und vom „Segen“, den dieser Präsident für das Land sei.
Reporter fühlten sich an Bilder aus dem alten Rom erinnert, wo Sklaven ihrem Kaiser Huldigungen darbrachten. Manche Kommentatoren fragten sich, ob Präsident Trump noch in der Wirklichkeit lebe oder allein in seiner eigenen Welt. Es gibt in den USA viele, die nicht vergessen haben, dass der Präsident bei fast allen Vorhaben der ersten Monate scheiterte oder von Gerichten zurückgewiesen wurde.
2.
Wir können nicht das Weltbild des Präsidenten oder seiner Minister und Ministerinnen ergründen. Eins aber sollten wir fragen: Ist es möglich, dass manche Menschen keine Einsicht haben in die Wirklichkeit?
Ja, das ist möglich. Es gibt Menschen und Berater, die keine Wirklichkeit wollen als nur die eigene, die behauptete. Immerzu sagen sie, was sie sehen wollen; und nicht, was ist. Sie pflegen ihr Weltbild bis hin zu einem Wahn, in dem sie untergehen können.
3.
Die Frage ist uns auferlegt, immer: Sehen wir, was ist – oder sehen wir, was wir sehen wollen? Anders gefragt: Bin ich wirklich so, wie ich mich sehe? Das gilt auch für den Glauben: Glauben wir, was wir sollen, oder glauben wir, was wir wollen? Die Wirklichkeit ist vielfältig und oft schwer zu durchschauen. Da ist es gefährlich, nur zu sehen oder zu glauben, was einem gefällt. Im schlimmsten Fall führt solches Sehen und Glauben in einen Wahn.
Der Glaube an Gott ist mehr als das, was mir gefällt. Der Glaube ist kein Laden, in dem ich hole, was ich mir wünsche. Glaube an Gott ist ganz oder gar nicht. Ich kann nicht nur das Gute von Gott glauben und über das Üble hinwegsehen. Jede Wirklichkeit hat mit Gott zu tun. Gott hat auch Verantwortung für das, was Menschen nicht passt. So wie Menschen Verantwortung tragen für ihr Misslingen. Auch jeder Staatsmann.
Bitten wir Gott für uns und alle, dass wir uns nie fürchten, zur Einsicht über uns zu finden – und zur Bitte um Vergebung für unsere Irrtümer und Verfehlungen: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Michael Becker
mbecker@buhv.de
 
 

23.06.2017
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